Für Handwerksbetriebe mit mobilen Einsätzen

Zeiterfassung im Handwerk:
Auftragsbezogen, mobil, ohne Zettelwirtschaft

Im Handwerk werden Zeiten oft am Feierabend aus dem Gedächtnis rekonstruiert oder auf Stundenzetteln notiert, die irgendwann beim Chef landen. Das ist fehleranfällig, schwer nachzuweisen – und passt nicht zu den Anforderungen, die der BAG-Beschluss 2022 an eine systematische und verlässliche Aufzeichnung stellt. Diese Seite zeigt, was für Handwerksbetriebe in der Praxis funktioniert.

Wie läuft Zeiterfassung im Handwerk heute ab?

Ein Elektriker­betrieb mit acht Mitarbeitenden hat an einem normalen Tag drei Kolonnen auf verschiedenen Baustellen. Jeder notiert irgendwie seine Stunden – auf dem Handy, auf einem Zettel, im Auto. Am Freitag kommen die Stunden beim Büro an, werden abgetippt, auf Plausibilität geprüft und an den Steuerberater weitergegeben.

Das funktioniert – aber es ist aufwändig, fehleranfällig und bietet bei Streitigkeiten über geleistete Stunden keinen verlässlichen Nachweis. Zudem: Wenn ein Mitarbeiter vergisst, seine Stunden einzutragen, wird es am Monatsende ungemütlich.

Die Zeiterfassungspflicht verändert das nicht grundlegend – sie macht aber klarer, dass der aktuelle Prozess dokumentiert und nachweisbar sein muss.

Was Handwerksbetriebe von einem System brauchen

Unverzichtbar

  • App-Stempeluhr, die auch ohne WLAN funktioniert
  • Auftragsbezogene Erfassung – welche Stunden für welchen Kunden?
  • Standorterfassung per GPS – je nach Betrieb sinnvoll
  • Übersicht je Mitarbeitenden und je Auftrag
  • Export für DATEV oder Steuerberater

Hilfreich, aber optional

  • Fahrtzeiten und Materialaufwand erfassen
  • Rechnungsvorbereitung auf Basis erfasster Stunden
  • Mehrere Baustellen parallel verwalten
  • Urlaubsverwaltung und Schichtplanung

Nicht jedes Handwerks­unternehmen braucht alle diese Funktionen. Wer hauptsächlich Stunden nachweisen will, kommt mit einer schlanken App gut aus.

Welche Systeme passen für Handwerksbetriebe?

Clockodo
Für projektbasierte Erfassung

Clockodo erlaubt die Zuordnung von Stunden zu Projekten oder Aufträgen – nützlich für Betriebe, die nachher wissen wollen, wie viel Zeit ein bestimmter Auftrag gekostet hat.

  • Auftragsbezogene Stundenzuweisung
  • App mit Offline-Modus laut Anbieter
  • Auswertungen je Projekt und Mitarbeiter

Weniger ideal: Kein integrierter Dienstplaner. Für Betriebe mit mehreren Kolonnen und komplexerer Einsatzplanung zu schlank.

Für kleinere Betriebe
Papershift
Für Schicht- und Einsatzplanung

Wenn mehrere Kolonnen geplant und Einsätze koordiniert werden müssen, bietet Papershift eine kombinierte Lösung aus Planung und Zeiterfassung.

  • Schichtplanung & Einsatzkalender
  • Stempeluhr per App oder Terminal
  • DATEV-Übergabe laut Anbieter

Weniger ideal: Mehr Einführungsaufwand als einfache Stempeluhren. Für einen kleinen Betrieb ohne Schichtplanung oft überdimensioniert.

Für mobile Teams
Branchenspezifische Systeme
Zeiterfassung im Auftragskontext

Für Handwerksbetriebe, die Zeiterfassung eng mit ihrem Auftragsmanagement verknüpfen wollen, gibt es spezialisierte Lösungen: Branchenspezifische ERP-Systeme oder handwerkliche Projektsoftware bieten oft ein eigenes Zeiterfassungsmodul – direkt am Auftrag.

  • Stunden direkt am Auftrag oder Projekt erfassen
  • Nahtloser Übergang zur Rechnungsstellung
  • Auswertung je Baustelle oder Kunde

Weniger ideal: Höherer Einführungsaufwand. Sinnvoll erst ab einer gewissen Betriebsgröße oder wenn Auftragsabwicklung und Zeiterfassung wirklich zusammenwachsen sollen.

Vollständiger Vergleich

Wie führt man Zeiterfassung im Handwerk ein?

Der größte Widerstand bei der Einführung kommt meist von den Mitarbeitenden selbst – nicht aus Bösartigkeit, sondern weil der neue Schritt nach Mehraufwand klingt. Das löst sich in den meisten Betrieben innerhalb von zwei Wochen, wenn das System wirklich einfach ist.

Entscheidend ist: Die App muss auf dem Smartphone funktionieren, ohne WLAN, ohne lange Ladezeiten und ohne Passwort, das man vergisst. Stempeln sollte zwei Tippen erfordern – nicht fünf.

Für Betriebe mit Baustellen lohnt sich außerdem die Überlegung, ob GPS-Stempel sinnvoll sind – nicht zur Kontrolle, sondern zur automatischen Dokumentation, auf welcher Baustelle wer wie lange war. Das spart Diskussionen und erleichtert die Abrechnung.

Systeme vergleichen
Typische Anforderungen im Handwerk
  • 📱
    Offline-fähige App

    Auf der Baustelle gibt es oft kein WLAN. Die App muss auch ohne Verbindung stempeln und Daten zwischenspeichern können.

  • 📋
    Auftragsbezug

    Wer weiß, wie viele Stunden welcher Auftrag gekostet hat, kann Angebote künftig besser kalkulieren.

  • 📍
    GPS-Stempel (optional)

    Automatische Standortdokumentation beim Ein- und Ausstempeln – nützlich bei mehreren Baustellen.

  • 🔗
    DATEV-Export

    Direkte Übergabe an den Steuerberater spart jeden Monat manuelle Übertragungsarbeit.

Fragen zur Zeiterfassung im Handwerk

Müssen Fahrtzeiten zur Baustelle erfasst werden?

Die Zeiterfassungspflicht bezieht sich auf Arbeitszeiten – ob Fahrtzeiten zur ersten Baustelle dazugehören, hängt von der konkreten Situation im Betrieb ab. In vielen Handwerksbetrieben werden Fahrtzeiten dennoch erfasst, weil es die Rechnungsstellung erleichtert und Diskussionen vermeidet. Wer Klarheit für den eigenen Betrieb braucht, findet bei der zuständigen Handwerkskammer oft eine erste praktische Einordnung.

Was passiert, wenn ein Mitarbeiter vergisst zu stempeln?

Vergessene Stempelungen müssen nachträglich korrigiert werden – das sollte im System nachvollziehbar dokumentiert sein. Gute Systeme bieten Korrekturfunktionen mit Protokoll. Klare Regeln im Betrieb, wer solche Korrekturen vornehmen darf, vermeiden Missverständnisse.

Funktionieren diese Apps auch ohne Smartphone der Mitarbeitenden?

Ja – die meisten Anbieter erlauben die Nutzung über den Webbrowser auf jedem Gerät. Einige bieten auch Tablet-Terminals für den Eingangsbereich oder die Werkstatt an. Mitarbeitende müssen kein eigenes Smartphone nutzen, wenn das im Betrieb nicht gewünscht ist.

Schluss mit Stundenzetteln.

Zeiterfassung im Handwerk kann einfach sein – wenn das System zur Baustelle passt, nicht umgekehrt.